Archiv

20.11.2010, 14:08 Uhr | börsennews
AL-QAIDA
Islamisten planen angeblich Anschlag auf Reichstag
Die ersten der Terroristen sollen schon in Berlin sein: Laut einem Medienbericht plant ein sechs Mann starkes al-Qaida-Kommando angeblich einen Anschlag auf den Reichstag. Demnach wollen sie Geiseln nehmen und mit Schusswaffen ein Blutbad anrichten.
Hinter der dramatischen Terrorwarnung der Bundesregierung diese Woche stehen angeblich Erkenntnisse über einen geplanten Anschlag auf den Berliner Reichstag. Dies meldet der Spiegel vorab und beruft sich auf Erkenntnisse deutscher Sicherheitsbehörden. Demnach planen al-Qaida und Verbündete des Terrornetzwerks einen Angriff mit Geiselnahme auf den Sitz des Bundestags. Eine Quelle nannte das Magazin nicht.

Die Informationen stammen der Meldung zufolge von einem Dschihadisten und potenziellen Aussteiger aus dem Ausland. Sie seien der Anlass für Innenminister Thomas de Maizière (CDU) gewesen, am vergangenen Mittwoch öffentlich vor einem bevorstehenden Anschlag zu warnen. Allerdings sollen sich die Informationen angeblich auf geplante Anschläge im Februar oder März beziehen. De Maizière hatte von einem möglichen Vorhaben noch in diesem Monat gesprochen.

Laut Spiegel soll der islamistische Kämpfer sich angeblich in den vergangenen Tagen mehrmals telefonisch an das Bundeskriminalamt (BKA) gewandt haben. Er habe von einem Terrorkommando aus sechs Personen berichtet. Zwei von ihnen seien bereits vor sechs bis acht Wochen nach Berlin gereist und dort untergetaucht. Vier weitere Attentäter - ein Deutscher, ein Türke, ein Nordafrikaner und ein Mann, dessen Identität er nicht kenne - warteten derzeit auf ihre Abreise.

De Maizière habe sich jedoch noch auf einen zweiten Warnhinweis aus den USA gestützt, meldet das Blatt weiter. Die US-Bundespolizei FBI habe sich vor zwei Wochen an das BKA gewandt und auf einen weiteren mutmaßlichen Anschlagsplan hingewiesen. Eine schiitisch-indische Gruppe, die sich «Saif» («Schwert») nenne, habe einen Pakt mit al-Qaida geschlossen und zwei Männer für einen Anschlag auf den Weg nach Deutschland geschickt.

Waffenhändler unter Terrorverdacht

Die beiden sollten am 22. November in den Vereinigten Arabischen Emiraten ankommen, dort mit neuen Papieren ausgestattet werden und dann nach Deutschland reisen. Sie hätten bereits Visa für den Schengen-Raum. Als Drahtzieher benenne das FBI einen gewissen Mushtaq Altaf Bin-Khadri. Als Schleuser der Männer fungiere der 54-jährige Waffenhändler Dawood Ibrahim, der von der Uno als Terrorunterstützer geführt wird. Er gilt dem Bericht zufolge als einer der Hintermänner der Terroranschläge von Mumbai Ende November 2008.

Wie das Magazin weiter meldet, messen das FBI und das BKA der Meldung große Bedeutung bei. Der US-Auslandsgeheimdienst CIA dagegen, der Bundesnachrichtendienst und der deutsche Verfassungsschutz seien skeptisch.

Das Münchner Magazin Focus meldete, de Maizière habe den Innenministern der Länder berichtet, mit Anschlägen sei am ehesten in «Berlin, Hamburg, München, im Rhein-Main-Gebiet und im Raum Köln/Bonn» zu rechnen. Mit einer Art Rasterfahndung versuchten die Sicherheitsbehörden, die Einreise eines mutmaßlichen Terror-Kommandos nach Deutschland zu verhindern.  Überprüft würden alle Visa, die in den vergangenen Monaten in Indien, Pakistan und den Vereinigten Arabischen Emiraten erteilt worden seien.

GSG 9 observiert angeblich Wohnungen

Laut Focus soll eine Terrorgruppe in einem dieser Länder mit Schengen-Visa und vermutlich auch mit falschen Pässen ausgestattet worden sein. Ihr sollen zwei Pakistaner, zwei Inder sowie möglicherweise ein Deutsch-Syrer und ein Deutsch-Marokkaner angehören.

Das Bundeskriminalamt hält es dem Bericht zufolge für möglich, dass al-Qaida für einen Anschlag in Deutschland ein Team formiert, das aus Angehörigen mehrerer Staaten Europas besteht. Das Magazin berief sich unter anderem auf eine aktuelle, vertrauliche Analyse des BKA. «Den schengenweiten Reisebewegungen» von in Terrorlagern ausgebildeten Islamisten komme «besondere Bedeutung» zu.

Nach Informationen des Magazins beteiligt sich auch die Eliteeinheit GSG 9 am Anti-Terror-Kampf: Beamte observierten Wohnungen in Hessen und Nordrhein-Westfalen, die potenziellen Terroristen als Unterschlupf dienen könnten.

CDU-Politiker fordert Gewahrsam für islamistische Gefährder

Der CSU-Innenexperte Norbert Geis fordert indes, erkannte islamistische Gefährder gegebenenfalls vorübergehend in Gewahrsam zu nehmen. Geis sagte der Bild-Zeitung: «Wenn Gefährder identifiziert sind und - so wie derzeit - eine Gefährdung vorliegt, dann bin ich dafür, diese Leute vorübergehend in Gewahrsam zu nehmen.» Geis nahm mit seiner Forderung laut Vorabbericht Bezug auf Äußerungen des Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg. Der hatte beklagt, dass die etwa 130 namentlich bekannten Gefährder in Deutschland aus Gründen des Personalmangels nicht rund um die Uhr von der Polizei observiert werden können und alternative Maßnahmen verlangt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte die Bürger dagegen zur Ruhe. «Wir wollen in Deutschland frei und ohne Angst leben - keine terroristische Drohung wird uns davon abbringen», sagte die CDU-Politikerin der Bild am Sonntag. Sie fügte hinzu: «Die Bürger können gewiss sein: Die Sicherheitskräfte tun alles Erdenkliche für unseren Schutz.» Merkel dankte Polizei und Geheimdiensten. «Wir alle sollten ihnen für diesen Einsatz dankbar sein und sie unterstützen», sagte Merkel.

Indes werden peinliche Details zur Bombenattrappe in einer Air-Berlin-Maschine in Namibia mit dem Ziel München bekannt. Angeblich soll eine 80-jährige Frau die Attrappe im Dienste der kalifornischen Drei-Mann-Firma ihres Schwiegersohnes zusammengebaut haben.


Nächste Termine

Weitere Termine